Nach dem Roman von Rainald Goetz. In einer Fassung von Sefan Bachmann und Lea Goebel. Eine Übernahme aus Schauspielhaus Köln und Düsseldorf
Foto: Melanie Kretschmann und Ensemble. © Tommy Hetzel
Regie: Stefan Bachmann, Bühne Olaf Altmann, Kostüme: Jana Findeklee, Joli Tewes, Licht: Michael Göök, Choreograpie: Sabina Perry. Komposition, musikalische Leitung: Sven Kaiser.
Groß war die Neugier auf die Regie Stefan Bchmanns! Groß war die Enttäuschung. Wieder ein Stück, das sich über zwei Stunden ohne Pause dahinschleppte und nicht und nicht enden wollte. Auch wenn einige das Ende vorzeitig einklatschten – es nützte nichts. Beinhart wurde bis zum bitteren Ende gespielt.
Ich hätte ja schon ahnen können, dass dieses Stück nicht der Renner der Saison wird. War doch knapp vor Beginn der Saal halb leer. Um zumindest die ersten neun Reihen zu füllen, verkaufte man eifrig Last-Minute- Tickets. Bis sich die vorderen Reihen endlich gefüllt hatten, war es 10 nach acht. Zum Vergleich: „Schachnovelle“ war bis zum letzten Platz ausverkauft, sogar die Stehplätze auf der Galerie waren gut besucht. Gott sei Dank weiß das Theaterpublikum, was sehenswert ist! Nur solche Naivlinge wie ich, die keine Kritiken gelesen haben und von anderen Theaterfreaks nicht vorgewarnt wurden, wollen unbedingt erfahren, wie der neue Chef Regie führt.
Aus dem Programmheft geht hervor, dass alle Rollen von Frauen gespielt werden. Da man keinen einzigen Namen kennt, seien sie der Reihe nach angeführt: Nicola Gründel, Anja Lais, Rebecca Lindauer, Lea Ruckpaul, Luana Velis, Cennet Rüya Voß, Ines Marie Westernströer. jede in mehreren Rollen. Melanie Kretschmann spielte die Hauptrolle, den Widerling und Konzernboss Johann Holtrop. Sie machte ihre Sache als machtgieriger Manager recht gut. Wie übrigens das ganze Ensemble den schwierigen Text und die herausfordernde Choreografie bewundernswert meisterte. Denn, so wollte es Bachmann, sie alle mussten den Text als Art abgehackten Sprechgesang aufsagen. Das erforderte vom Publkum höchste Aufmerksamkeit, die von Minute zu Minute abnahm. Obwohl sich die Schauspielerinnen große Mühe gaben, der banalen Story, hundertfach in diversen Magazinen schon abgefeiert, einen exzentrischen, einmaligen Stil zu verleihen (Körperverrenkungen wie aus einem indonesischem Schattenspiel inbegriffen), setzte mir sehr bald die Langeweile zu. Denn die Gags wiederholten sich und nützten sich ab. Dem abgehackten Rapgesang zu folgen wurde reizloser, weil die Spannung fehlte.
Die Handlung ist vorhersehbar: Der größenwahnsinnige Holtrop verzockt das ganze Kapital einer großen Firma. Aber wie ein Stehaufmännchen richtet er sich wieder auf und gründet flugs eine eigenes Unternehmen, das er ebenfalle den Bach hinuntergehen lässt. Am Ende wirft er sich vor den Zug. Müder Applaus eines ermüdeten Publikums. Ein paar Extraklatscher bekamen die Musiker (Sven Kaiser, Zuzana Leharová, Annette Maye, Jan Felix Rohde), die das Geschehen dezent musikalisch untermalten.