Wolfram Ellenberger, Geister der Gegenwart. Verlag Klett-Cotta

Untertitel: Die letzten Jahre der Philosophie und der Beginn einer neuen Aufklärung. 1948 -1984

1948 war ein trostloses Jahr. Der Nationalsozialismus hatte fast alle Künstler und Philsophen ins Exil getrieben. Nur zögernd kamen einige zurück und mussten frustriert feststellen: In den Köpfen vieler Menschen nistet noch immer die alte Ideologie. Wolfram Ellenberger versucht einigermaßen einen Überblick über diese 40 schwierigen Jahre zu geben. Er konzentriert sich auf die aus seiner Sicht wichtigsten Philosophen dieser Zeit: Theodor W. Adorno, Paul K. Feyerabend, Susan Sontag, Hannah Arendt und Michel Foucault. Die ersten Nachkriegsjahre sind enttäuschend. Hannah Arendt ist von dem völlig zerstörten Deutschland geschockt. Viele stehen vor dem Nichts, auch die Philosophie. Mit dem Wiederaufbau wird aus der Philosophie die Lehre vom guten Leben. Und von Restituierung ist noch lange keine Rede.

In Amerika entdeckt Susan Sontag die Bisexualität. Das klingt jetzt banal – aber für Amerika war das ein „no go“. In Frankreich werden Jean Paul Sartre und Simone de Bouvoir gefeiert, bald aber als Hausgebrauchsphilosophen desavouiert. Existentialismus ist die neue Denkrichtung .Freiheit bis zum sebstgewählten Tod – Simone Weil begeht Selbstmord durch Hungern. Trotz Stalin bleibt der Kommunismus ein schickes Denkmodell.

In den späten 60er Jahren konzentriert sich der Autor auf einander konkurrierende Philosophen Paul K. Feyerabend und Michel Foucauld. Mit leichter Ironie beleuchtet er beider Erfolge und Misserfolge während der Studentenrevolten 1968. In Deutschland beherrschen Habermas und Adorno die Denkbühne. Adorno gibt sich geschlagen und verlässt die Revoltenbühne. Und Wien? An der Universität haben noch immer Professoren das Sagen, die sich vom Nationalsozialismus nicht verabschieden wollten und konnten. Studentenrevolution? Kaum, die Straße bleibt ruhig. Nur in der Aula gibt es einen Fäkalienskandal.

Als nicht philosophisch geschulter Leser ist man oft überfordert. Aber unter dem Strich vermittelt Wolfram Ellenberger den Eindruck, dass die „neue Aufklärung“ auf sich warten lässt.

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